Berechnungsgrundlagen:

BAT Gehaltstabelle VKA-Ost vom 01.07.2005 ; Grundgehalt+Ortszuschlag+Allgemeine Zulage+Urlaubsgeld 255,65€+61,60% Weihnachtsgeld, evtl. weitere Funktionszulagen wurden nicht berücksichtigt, Eingruppierung als Jungassistent in BAT II mit tarifmäßigem Aufstieg nach 5 Jahren in BAT Ib auch ohne FA, nach 8 Jahren FA in Ia.

TVÖD-Gehaltstabelle VKA-Ost vom 01.07.2007 ; Grundgehalt+45%Weihnachtsgeld+1%garantierte Mindestleistungszulage, Eingruppierung in EG14, Stufe 1. Eine mögliche höhere Leistungszulage (bis 8%) wurde nicht berücksichtigt, ebenso keine Strukturausgleichzahlungen oder mögliche Funktionszulagen.für Ärzte.

TV-Ä in der mit dem Marburger Bund abgeschlossenen Fassung für die Uniklinika Ost; dieser Tarif soll seitens des MB als Vorlage für die Streikforderungen/Verhandlungen mit den Kommunen dienen. Es gibt hierbei nur das Grundgehalt; eine “Bayernzulage” von 100-150€ ist von den Ost-Kommunen wohl nicht zu erwarten und wurde auch nicht eingearbeitet. Um eine bessere Vergleichbarkeit mit BAT und TVÖD (jeweils tarifmäßig 40 Wochenstunden) zu gewährleisten, wurde der TV-Ä Tabellentarif auf 40 Wochenstunden berechnet (Faktor 40/42) - dies ist im TV-Ä auch ausdrücklich so vorgesehen.

Es ist wohl ein Novum in der deutschen Gewerkschaftsgeschichte, dass ein Verband für niedrigere Stundenlöhne und schlechtere Arbeitsbedingungen, den TV-Ä statt BAT oder TVÖD,  streikt.  Der TVÖD bringt aber für die Ärzte ein besseres Gehalt - nicht nur die Jungassistentengehälter, sondern auch die Endgehälter sind wesentlich höher - und ebenso sind die Arbeitsbedingungen besser:

Erlaubte wöchentliche Arbeitszeit:


BAT: 60 Wochenstunden

TVÖD: 54-58 Wochenstunden im Jahresdurchschnitt

TV-Ä/MB: 66 Wochenstunden im Jahresdurchschnitt

 

Fazit: 70.000 Ärzte werden für Gehaltskürzungen und Wochenarbeitszeitverlängerungen streiken, nachdem schon auf Länderebene der gerichtlich so gut wie zugesicherte Fortbestand des BAT-Vertrages vom MB gekündigt und als “Lohn” für die unermüdlichen Streiks jetzt der BAT durch einen erheblich schlechteren TV-Ä ersetzt worden war. Jetzt soll sich das Spiel auf kommunaler Ebene wiederholen: zum Nachteil der Ärzte, Patienten und unseres Gesundheitssystems. Lassen wir abschließend Herrn Dr. Montgomery selbst kommentieren:

 

“Dennoch bin ich überzeugt: Wir haben Tarifgeschichte geschrieben. ...wir regeln unsere Angelegenheit in Zukunft selbst. Andere Gewerkschaften haben mangels Masse und Klasse da nichts mehr zu suchen”.

Bleibt die Frage, ob es im Westen so viel besser ausschaut:

Die Berechnungsgrundlagen für obige Westtabellen sind dieselben wie für die Ost-Tabellen ganz oben; jeder kann sich mittels der im Internet verfügbaren Tabelle sein individuelles Jahresgehalt ausrechnen:

Tabelle TVÖD VKA West

Tabelle BAT 2005 VKA West

TV-Ä in der mit dem Marburger Bund abgeschlossenen Fassung

Fazit: Auch im Westen wird es bei den Kommunen für Ärzte erhebliche Einkommenseinbussen geben - entgegen der in den Medien verbreiteten Mär von “20% mehr für Ärzte” sind es teilweise 20% weniger als der BAT noch vor 2 Jahren den Ärzten bezahlte! Auch hier bleibt aber die MB-Forderung (rot) kaum über dem TVÖD-Niveau (gelb), sodass die Streiks kaum verständlich sind: Die Ärzte mit Altverträgen werden vorerst ihren besseren BAT-Lohn behalten und mit Tarifabschluss TV-Ä dann womöglich 3 Wochenstunden mehr arbeiten müssen (42 statt 39), ohne dafür mehr Gehalt zu bekommen! Auch das ist einmalig: Ärzte streiken dafür, dass sie unentgeltlich länger arbeiten dürfen...

Bleiben noch die Unikliniken - hier ist der Ärztestreik ja beendet.

BAT Länder Ost vom 01.Mai 2004-31.01.2005 (“BAT2005”)

BAT Länder West vom 01.Mai 2004-31.01.2005 (“BAT2005”)

BAT Länder West vom 01.09.2001 (“BAT2001”)

TV-Ä in der mit dem Marburger Bund abgeschlossenen Fassung

Alle errechneten Jahresgehälter sind jeweils normiert auf 40 Wochenstunden, BAT2005 jeweils gerechnet mit einseitigen BAT 2005-Absenkungen: Weihnachtsgeld (als Beispiel für West: B-W mit 64% und als Beispiel Ost M-V mit 41% gerechnet), Streichung von Urlaubsgeld und Erhöhung der Wochenarbeitszeit (als Beispiel B-W auf 41h)

 

Fazit auch hier: Der Marburger Bund hat bei den Gehältern gegenüber BAT erheblich verloren - das Gehaltsniveau des BAT 2001 konnte nicht gehalten werden, d.h. ein Arzt an einer Uniklinik bekam vor 5 Jahren im Durchschnitt mehr Stundenlohn, als der Marburger Bund ihm nach langen Streiks jetzt beschert hat.

Im Osten sieht die Situation durch den Rückschritt bei der Lohnangleichung West von 92,5% auf 88% teils noch trauriger aus. Natürlich kann man bei den Berechnungen auch die BAT-Situation von 2005 als Vergleich heranziehen, die klar zeigt, dass die Arbeitgeber einseitig durch Kürzung des Weihnachtsgeldes (z.B. 64% in Baden-Württemberg und 41% in Mecklenburg-Vorpommern in unten genannten Beispielen), Streichung des Urlaubsgeldes und Erhöhung der Wochenarbeitszeit (in Baden-Württemberg von 38,5h auf 41h) deutliche Lohnkürzung betrieben hat. Nur kann eine seriöse Verhandlungsgrundlage ja nur diejenige der letzten Einigung sein, notfalls eben BAT2001. Faktisch sind aber die Gehälter im Vorfeld der Verhandlungen mal eben um 5-10% gesenkt worden (BAT2001==> BAT2005), um dann den Ärzten nochmals weitere Senkungen von bis zu 20% per Tarifvertrag zu verordnen. Lustig nur, dass dies jetzt in den Medien als “20% mehr für die Ärzte” verkauft wird, d.h. der Verlierer zum vermeintlichen Gewinner gekürt wird, weil er offenbar die 4 Grundrechenarten nicht beherrscht, mit denen er Jahres- und Stundenlöhne (nur um die geht es doch!) errechnen könnte.