Ländervergleich

Was Deutschland bei der Eigenheimförderung von anderen Ländern lernen kann?

 Wegfall der Eigenheimzulage – negative Folgen jetzt erkennbar

 

Ab 1. Januar 2006 wurde die Eigenheimzulage gestrichen. Sie kostete jährlich rund 11 Mrd. €. Davon waren 3,3 bis 3,6 Mrd. € kinderbezogene Zulagen. Nun treten die negativen Folge- erscheinungen allmählich zu Tage.

 

Durch den Wegfall der Eigenheimzulage fehlt nicht nur Baugeld in den Familien (einer Familie mit 3 Kindern standen in 8 Jahren zuletzt 29 200 €, bei 4 Kindern 35 600 € während der ersten 8 Jahre zu), es fehlt nun auch die Möglichkeit, dieses Geld als Eigenkapitalersatz zu benutzen.

 

Eine Umfrage bei Familien, die mit Hilfe des Baukindergeldes eine eigene Immobilie erwor-ben haben, hat ergeben, dass rund die Hälfte der befragten Familien sagten, ohne das Baukindergeld hätten sie nicht bauen können.

 

Was sich durch die Umfrage schon ankündigte, wurde jetzt über eine Presseerklärung vom 12. Juni 2007 (Nr. 238) durch das Statistische Bundesamt bestätigt:

 

Fast 50% weniger Baugenehmigungen im 1. Quartal 2007

 

Von Januar bis März wurde in Deutschland der Bau von 40 600 Wohnungen genehmigt. Das waren 48,7% oder 38 600 Wohnungen weniger als im Vorjahreszeitraum. Dabei fiel die Ab-nahme der Wohnbaugenehmigungen in Ein- und Zweifamilienhäusern (- 58,7% und 60,6%) gegenüber den Genehmigungen von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (- 24,7%) beson-ders drastisch aus.

 

Nach Meinung des Statistischen Bundesamtes dürfte die Ursache für diese Rückgänge insbe-sondere in der Abschaffung der Eigenheimzulage liegen. Viele Bauwillige hätten ihre Bauan-träge noch vor dem 1. Januar 2006 eingereicht, um sich die Eigenheimzulage über den För-derzeitraum von acht Jahren zu sichern.

 

Das  Forschungsinstitut „empirica“ geht von einem Neubaubedarf von 330 000 Wohnungen jährlich aus, fĂĽr 2007 werden aber nur noch 200 000 Baugenehmigungen erwartet. Nach Meinung des Instituts fĂĽhre das längerfristig zu einem deutlichen Anstieg der Mietpreise.

 

Es ist Tatsache, dass die Streichung des Baukindergeldes dem Ziel jeder staatlichen Wohnungspolitik entgegensteht, die Wohneigentumsquote zu steigern. Bei der Wohneigentumsquote liegt Deutschland im internationalen Vergleich weit zurück. Während die britische Regierung die Eigenheimquote auf über 70% steigern will, Frankreich mit 55% und die USA mit 66% hohe Eigentumsquoten haben, ist die Eigenheimquote in Deutschland mit 42-45% zu niedrig.

 

In Deutschland wird im Durchschnitt auch zu spät gebaut. Der späte Erwerb einer eigenen Immobilie ist gerade für Familien ungünstig. Eigener Wohnraum wird besonders dann benötigt, wenn die Kinder noch klein sind und Mietraum für kinderreiche Familien knapp ist und teuer bezahlt werden muss. Kommen unsere Eltern erst im Alter von 45 Jahren zu einer eigenen Immobilie, gehen die Kinder schon bald aus dem Haus. Auch kommen dann zu den Kosten für die Finanzierung der eigenen Wohnung oft teuere Kosten für die Finanzierung ei-ner Ausbildung (z. B. Studium) hinzu. Bei diesem späten Immobilienerwerb reichen die Belastungen nicht selten bis ins Rentenalter hinein; statt einer soliden Altersvorsorge stellt die eigene Immobilie angesichts fallender Renteneinkünfte damit ein Finanzierungsrisiko dar.

 

Fazit: In Deutschland wird zu spät gebaut. Die Eigenheimquote ist zu niedrig.

Abbildung  1: Bis die Hälfte aller Haushaltsvorstände eines Geburtenjahrgangs in Deutschland in den eigenen 4 Wänden wohnt sind sie 45 Jahre alt! Die o.g. Zahlen  sind entnommen aus Dr. R. Braun und U. Pfeiffer: „Jung ins Wohneigentum“, empirica-Studie 2003, 10405 Berlin.

Die Finanzierungsbedingungen sind entscheidende Voraussetzungen für den Erwerb einer eigenen Immobilie. Die Eigenkapitalerfordernisse sind in Deutschland besonders für Familien mit Kindern zu hoch. In anderen Ländern sind sie zum Teil deutlich niedriger:

 

Kanada:

In Kanada dĂĽrfen Banken nur Kredite bis 75% des Immobilienwertes anbieten - es sei denn, eine Hypothekenversicherung der staatlichen Firma CMHC sichert die ĂĽber 75% hinausgehende Summe ab. Wenn eine Familie in Kanada ein Haus erwerben möchte, benötigt sie nur etwa 5% Eigenkapital zur Bezahlung der Nebenkosten (Steuer/Notar), das Haus selber kann dann zu 100% finanziert werden - dafĂĽr zahlt man etwa 3,1% des Hauspreises fĂĽr die Absicherung. Die Wohneigentumsquote in Kanada liegt bei 63%.

 

Holland

Auch in Holland ist eine Beleihungsgrenze von 100% möglich - Staat und Kommune teilen sich dabei das Bürgschaftsrisiko von durchschnittlich 30% des Immobilienpreises. ein bauwilliger Holländer kommt im Durchschnitt 12 Jahre früher zu Wohneigentum als sein deutscher Nachbar.

 

Dank günstiger Bauzinsen wäre die monatliche Belastung beim Eigenheimerwerb für viele Familien zu schaffen – aber davor die oft geforderten 30% Eigenkapital anzusparen, das ist bei gleichzeitig hohen Mietkosten, hohen Kinderkosten einschl. Verzicht auf Einkommensteile zugunsten der Kindererziehung für Familien kaum noch zu schaffen. Hier böte sich analog zu Holland und Kanada folgende Lösungsmöglichkeit in Deutschland an:

Der Staat leistet eine Bürgschaft über einen nachrangig besicherten Baukredit in Höhe von 10% des Immobilienkaufpreises/Baupreises. Für jedes Kind wird die Bürgschaft anteilig erhöht, max. begrenzt auf 30%. Die Bürgschaft dauert 20 Jahre und ist bei z. B. berufsbedingtem Umzug auch auf ein anderes Immobilienobjekt übertragbar.

 

Die Politik sollte durch eine staatliche Bürgschaft unseren Familien den Kauf einer eigenen Immobilie schon in jungen Jahren ermöglichen. Das wäre eine wünschenswerte Kompensation für die Streichung des Baukindergeldes zugunsten unserer Familien mit Kindern. Sie kostet den Staat nur einen Bruchteil der bisherigen Eigenheimzulage (ausgehend von den kanadischen Berechnungen ca 1-2 Mrd EUR/Jahr) und ist frei von Mitnahmeeffekten. Sie ermöglicht zugleich eine solide Altersvorsorge, stützt unsere Bauwirtschaft, an der 2 Mio. Arbeitsplätze in Deutschland hängen und verschafft dem Staat nicht zuletzt eine Reihe von Steuereinnahmen in Verbindung mit dem Bau/Eigentumserwerb.

Dr. Uwe Staub

 

Der Autor o.g. Artikels ist Sohn des Website-Inhabers und Vater von 4 Kindern. Bei RĂĽckfragen gerne Kontaktaufnahme erbeten unter folgender Email-Adresse:

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